Warum Wein Menschen verbindet und manchmal ganz ohne großes Menü seinen schönsten Moment hat.
“Welcher Wein passt zu Orecchiette alla cime di rapa oder Tajarin al tartufo?””Zu welchem Essen passt der Wein, der wir gerade probieren?” “Oder welchen Wein würde man mit Vitello Tonnato oder Bombette pugliese paaren?”
Fragen, wie diese, höre ich regelmäßig – bei unseren Weinproben, auf Messen oder im Gespräch. Und sie sind völlig berechtigt. Schließlich möchte niemand, dass Wein und Essen sich gegenseitig überdecken.
Trotzdem stelle ich mir manchmal eine ganz andere Frage:
Warum muss Wein eigentlich immer zu etwas passen?
Fast scheint es, als dürfe Wein nur dann seine Berechtigung haben, wenn er ein Gericht begleitet. Dabei kann ein guter Wein so viel mehr.
Wein bringt Menschen zusammen
Wenn ich in Italien bei unseren Winzern bin, wird natürlich gemeinsam gegessen. Aber mindestens genauso oft endet der Abend ganz anders: Man sitzt nach dem Essen noch zusammen, öffnet eine weitere Flasche Wein und redet. Über den Weinberg, über die Familie, über das Leben oder einfach über den Tag.
Niemand spricht dann noch darüber, ob der Wein perfekt zu irgendeinem Gericht passt.
Der Wein wird zum Mittelpunkt – nicht, weil er wichtiger ist als das Essen, sondern weil er Menschen zusammenbringt.
Ich finde, genau darin liegt etwas, das in unserem oft hektischen Alltag manchmal verloren geht: gemeinsam am Tisch sitzen, sich Zeit nehmen, zuhören, erzählen und einfach im Hier und Jetzt sein.
Wein schafft dafür einen wunderbaren Rahmen. Ganz ähnlich wie gutes Essen. Beides verbindet Menschen – aber keines braucht das andere zwingend, um seine Wirkung zu entfalten.
Ein guter Wein darf auch für sich selbst stehen
Gerade hochwertige Weine erzählen ihre eigene Geschichte. Sie sprechen von ihrer Herkunft, vom Jahrgang, vom Wetter und von den Menschen, die sie gemacht haben.
Manchmal lohnt es sich deshalb, einen Wein ganz bewusst ohne große Ablenkung zu genießen. Vielleicht nur mit etwas frischem Brot, ein paar Oliven oder einem kleinen Stück Käse. Nicht, weil mehr nicht möglich wäre, sondern weil der Wein selbst genug zu erzählen hat.
Trotzdem macht Food Pairing großen Spaß
Natürlich kann eine gelungene Kombination aus Wein und Essen etwas Besonderes sein. Manche Aromen ergänzen sich so gut, dass sowohl das Gericht als auch der Wein noch einmal gewinnen.
Deshalb lohnt es sich durchaus, ein paar einfache Grundregeln zu kennen.
Drei einfache Tipps für gelungenes Food Pairing
Leichte Speisen mögen leichte Weine
Ein feiner Fisch oder ein sommerlicher Salat harmonieren meist besser mit einem frischen Weißwein oder einem eleganten Rosé als mit einem schweren Rotwein. Kräftige Schmorgerichte oder Gegrilltes vertragen dagegen durchaus einen charaktervollen Rotwein.
Säure liebt Säure
Gerichte mit Zitrone, Tomaten oder einem frischen Dressing passen hervorragend zu Weinen mit lebendiger Säure. Ein eher weicher Wein wirkt daneben schnell etwas flach.
Der Wein sollte dem Essen standhalten können
Ein intensives Gericht braucht einen Wein mit genügend Struktur und Ausdruck. Eine feine Vorspeise dagegen verlangt oft nach einem eleganten, eher zurückhaltenden Begleiter.
Und wenn Sie sich nicht sicher sind?
Dann stellen Sie sich einfach eine andere Frage:
Was soll heute eigentlich im Mittelpunkt stehen?
Ist es das Essen, wählen Sie einen Wein, der das Gericht unterstützt.
Soll dagegen der Wein die Hauptrolle spielen, darf das Essen ruhig bewusst schlicht bleiben. Ein gutes Brot, etwas Käse, Antipasti oder ein paar Oliven reichen oft vollkommen aus.
Denn manchmal ist genau das der schönste Abend: gute Menschen, gute Gespräche und eine Flasche Wein, die nicht perfekt zu einem Gericht passen muss – sondern einfach perfekt zu diesem Moment.






