
Cantina Cornarea
Die Rettung einer Rebsorte, die Seele des Roero
Manche Weingüter stehen für große Weine. Andere stehen für eine Idee. Cornarea gehört zu den wenigen Betrieben, die beides vereinen. Hoch oben auf dem gleichnamigen Hügel bei Canale, im Herzen des Roero, liegt ein Familienweingut, dessen Geschichte eng mit dem Schicksal einer fast vergessenen Rebsorte verbunden ist.
Als Giampiero Bovone und seine Frau Francesca Anfang der 1970er Jahre den Hügel Cornarea erwarben, verfolgten sie ein mutiges Ziel: Sie wollten den Arneis retten. Die alte weiße Rebsorte des Roero war damals nahezu verschwunden. Nur wenige Rebstöcke hatten zwischen Nebbiolo und Barbera überlebt. Während viele Winzer auf bewährte Sorten setzten, glaubte die Familie Bovone an das Potenzial des „rebellischen Kindes“, wie Arneis im piemontesischen Dialekt liebevoll genannt wird. Mit Weitblick und Beharrlichkeit pflanzten sie zwölf Hektar Arneis und legten damit den Grundstein für die Wiedergeburt einer der spannendsten Weißweinrebsorten Italiens.
Heute führen die Brüder Gian Nicola und Pierfranco Bovone das Weingut in zweiter Generation. Gian Nicola ist Önologe und verantwortlich für die Weinbereitung, während Pierfranco sich um Vertrieb und die Beziehungen zu Kunden und Partnern kümmert. Gemeinsam bewahren sie die Vision ihrer Eltern und verbinden moderne Kellertechnik mit großem Respekt vor Tradition und Herkunft.
Besonders beeindruckend ist die Lage der Weinberge. Die gesamten 15 Hektar erstrecken sich als zusammenhängender Besitz rund um den historischen Cornarea-Hügel – eine Seltenheit im Piemont. Die Böden aus Sand, Kalk, Ton und fossilen Meeresablagerungen sind reich an Magnesium und verleihen den Weinen ihre charakteristische Mineralität und bemerkenswerte Langlebigkeit. Alle Trauben werden sorgfältig von Hand gelesen, um die Qualität der alten Rebanlagen bestmöglich zu bewahren.

Besonders ans Herz gewachsen ist uns der Roero Arneis von Cornarea. Er zeigt eindrucksvoll, warum diese Rebsorte heute wieder zu den großen Weißweinen Italiens zählt. Feine Aromen von weißen Blüten, Birne und gelben Früchten treffen auf eine elegante Mineralität, eine harmonische Struktur und eine bemerkenswerte Frische. Kein lauter Wein, sondern einer mit Tiefe, Charakter und einer unverwechselbaren Handschrift.

Eine besondere Rarität des Hauses ist der „Tarasco“, ein Passito aus Arneis. Seine Entstehung verdankt er einem glücklichen Zufall: Anfang der 1980er Jahre blieben einige Rebstöcke ungeerntet, wodurch die Trauben eine natürliche Edelfäule entwickelten. Aus dieser unerwarteten Entdeckung entstand einer der außergewöhnlichsten Süßweine des Roero.
Doch Cornarea steht nicht nur für Arneis. Auch die Nebbiolo- und Roero-Weine zeigen die Besonderheiten dieser Region: elegante Frucht, feine Tannine und eine bemerkenswerte Finesse, die sie von ihren berühmten Nachbarn Barolo und Barbaresco unterscheidet.
Was wir an Cornarea besonders schätzen, ist die Konsequenz, mit der die Familie ihren Weg geht. Ohne große Inszenierung, aber mit Überzeugung, Geduld und Respekt für das Terroir entstehen hier Weine, die ihre Herkunft authentisch widerspiegeln – und die Geschichte einer beinahe verlorenen Rebsorte bis heute weitererzählen.










